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Reichskammergericht

Lions finanzieren einmalige Dauerausstellung in Speyer

© Stadtarchiv Speyer

Mittelpunkt des Römischen Reichs

Am Mittwoch wurde die Ausstellung „Speyerer Reichskammergericht 1527 bis 1689“ im Altpörtel offiziell eröffnet. Hoch über Speyer wird vor Augen geführt, was nach der Stadtzerstörung 1689 baulich nicht mehr zu sehen ist. Bisher erinnerte nur eine Steintafel an der „Hausbrauerei Domhof“ daran. 162 Jahre lang war Speyer „der juristische Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“.

Die Dauerausstellung kann von allen besichtigt werden, die die 115 der 154 Stufen des höchsten städtischen Turms nicht davon abhalten – was schade wäre. Ermöglicht durch eine Spende von 25.000 Euro des Lions Clubs Speyer (wir berichteten), führt im vorletzten Stockwerk eine Präsentation von rund 30 Bildern, Schriftstücken und flüssig zu lesenden Begleittexten in die große Ära einer der ehemals führenden deutschen Städte.

Zusammen mit dem von seinem Leiter Joachim Kemper vertretenen Stadtarchiv Speyer konzipierte der freiberufliche Museumsmanager und diplomierte Mittelalter-Archäologe Matthias Preißler aus dem westfälischen Lichtenau einen bemerkenswerten Rückblick.

Die Ausstellung ist in drei, während der Eröffnung von Preißler historisch-fachlich erläuterte, Abschnitte gegliedert: Was waren die Gründe zur Bildung eines Reichskammergerichts und wie kam es nach Speyer? Wie sah die Stadt zu jener Zeit aus und wie unterschieden sich die „Kammeralen“ auch nach der Kleidung von den gewöhnlichen Bürgern? Wie war es um die Stätte der Rechtssprechung bestellt? Die Ausstellungstücke, unter anderem Stadt- und Flurkarten, sind zum Teil Leihgaben anderer Archive.

Das Reichskammergericht als Nachfolger des königlichen Kammergerichts war zuständig bei Landfriedensbruch, Reichsacht, allen steuerlichen Klagen, Besitzstreitigkeiten zwischen Reichsunmittelbaren und Zivilklagen gegen diese. Es war gleichzeitig die oberste Berufungsinstanz für alle Land- und Stadtgerichte. Es gab seinerzeit etwa 300 große und kleine Landesherrschaften sowie 85 Reichs- und Freistädte, demzufolge jede Menge Ärger und daher genügend Arbeit für Juristen. Das höchste Gericht verlieh Speyer wirtschaftlichen Auftrieb. 1638 zum Beispiel waren rund 800 Menschen dafür tätig – etwa zehn Prozent der Bevölkerung.

Die Übergabe des auch seinen Ausmaß nach riesigen Spendenschecks war die letzte Amtshandlung des Speyerer Lions-Club-Chefs Peter Bayer. Am Mittwoch endete seine einjährige Präsidentschaft, ging an Vizepräsident Harald Schwacke über. (wk)

Quelle: "Die Rheinpfalz", 4. Juli 2014